Salkantay – zu Fuss nach Machu Picchu

Pitsch, Patsch. Wir sind zwar zu Fuss unterwegs nach Machu Picchu, was ja an sich schon ein Highlight ist, aber im Regen macht es dann doch nicht so Spass. Am frühen Morgen erhaschten wir noch einen Blick auf den mächtigen Salkantay (6271m), doch nun keuchen wir im Nassen bergan zum 4600m hohen Salkantay-Pass.

Ausgangspunkt des 80km-Treks ist Soraypampa auf 3900m, wohin es eine Strasse gibt. Gäbe, denn ein wilder Bach hat seinen steinigen Inhalt über die Strasse geleert. Alle geschätzt 500 Trekker und Tagesgäste müssen die letzten zwei Kilometer zu Fuss gehen. Wir erobern um 11h gerade noch die letzten beiden Betten in einer Unterkunft, die Nachzügler am Nachmittag müssen im Esssaal schlafen. Es gibt jeden Abend Spaghetti mit Soja – aber mehr als eine Nacht bleibt eh niemand (zu kalt, und die 5 Wolldecken erdrücken einen beinahe). Und da wir beim Essen ein paar weitere Wanderer und Wanderinnen ohne Tour treffen, wird das Grüppchen der nächsten Tage “Team Spaghetti” heissen.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück um 5.30 zotteln wir also los – alle gleichzeitig. Zum Glück hängen wir nach und nach die riesigen geführten Tourgruppen ab! Sie lassen ihr Gepäck von Maultieren transportieren, die uns Fussgänger schier über den Haufen rennen. Einige reiten sogar, was uns insofern stört, als die vielen Hufe die Wege in Morast verwandeln. Nach gut 2.5 Stunden sind die 700 Höhenmeter überwunden, rasches Gipfelfoto im Nebel, aber mit nassen Händen ist es hier oben eisig!

Team Spaghetti

Beim langen Abstieg (15km) tun wir uns mit Matthew und Vanessa aus Kanada und Matt und Seb aus England zusammen. Plaudernd über Trekking- und Reiseabenteuer vergeht die Zeit rasch, der Regen hört auch auf. Unterwegs stossen zum Team Spaghetti dann noch die argentinischen Geschwister Carola und Guido dazu. Wir haben Spass und die jungen Leute machen uns Beine, sodass wir nach 7.5 (statt der vorgesehenen 9) Stunden in Chaullay ankommen. Das Dorf besteht fast nur aus Gasthäusern mit einfachen Zimmern und (zum Glück) warmen Duschen. Und leckerem Essen! Auf 2900m ist es längst nicht mehr so kalt und wir können unsere nassen Sachen trocknen.

Der dritte Tagesmarsch führt sanft bergab, aber dafür sind es 20 km auf der Schotterstrasse. Den Wanderweg haben die Regenfälle weggewaschen und sogar die Strasse ist teilweise kaum passierbar. Wir (und auch die Maultier-Karawanen!) klettern über mehrere Gerölllawinen, welche die Strasse mitgerissen haben, uns ist nicht nur wohl dabei… 

Mit schmerzenden Füssen erreichen wir Lucmabamba. wir finden bei Sonja und Walter eine sehr sympathische Unterkunft. Sonja ist Teil einer Kaffeekooperative, die von 20 Frauen gegründet wurde. Pedro, einer der Ehemänner, gibt uns eine rasche Führung durch seine Plantage. Alles organischer Kaffee, zertifiziert und für den Export nach Grossbritannien, Deutschland und sogar Japan bestimmt. Wir pflücken Beeren, entfernen die Kerne und probieren leckeren Kaffee, der hier als Konzentrat zubereitet und mit heissem Wasser verdünnt wird.

Nun müssen wir uns aber sputen, denn unser Transport wartet. Wir fahren zu zehnt in das nahe gelegene Thermalbad. In vier Becken wärmen wir unsere müden Glieder. Zurück im Hostal sind wir hungrig wie die Löwen!

Inkaruinen voraus!

Der vierte Tag ist schon der letzte Wandertag. Er beginnt im Regen mit einem 700 Meter Aufstieg. Immerhin befinden wir uns ja im Nebelwald. Je höher wir kommen, desto besser wird das Wetter und wir geniessen die Aussicht über dicht bewaldete Hügel. Zu oberst liegt die alte Inkaruine Llactapata, von der aus man den ersten Blick auf Machu Picchu erhaschen kann, wenn es die Wolken zulassen. Wir bleiben bestimmt eine halbe Stunde, bis wir endlich einen Blick und ein Foto bekommen. Ab hier geht es nur noch bergab. In Serpentinen und knöcheltiefem Matsch. Wir sind froh über unsere neuen Billigstöcke. Nach dieser Tortur kommt Team Spaghetti, mittlerweile auch Team “palta” (Avocado) genannt, bei der berühmten Hidroelectrica an, einem Wasserkraftwerk, das auch das Ende der Zugstrecke markiert. Von hier aus sind es noch zwei Stunden zu Fuss entlang der vor ebenfalls von einem Erdrutsch verschütteten Gleise nach Aguas Calientes oder Machu Picchu Dorf.

Stolz auf unsere Heldenleistung genehmigen wir uns dort ein paar Pisco sour und Biere, die unverschämten Touristenpreise handeln wir gekonnt herunter, grins…

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