Im Nebel könnte es glatt ein schottisches Schloss sein. Da wir uns aber in Peru befinden, muss es wohl Machu Picchu sein. Wir stecken mitten in den Wolken und können nichts Genaues erkennen.
Ganz langsam lichtet sich aber das Grau und die berühmten Terrassen und Steingebäude der Zitadelle treten hervor. Wir treffen ein paar unserer Mitwanderer vom Salkantay und machen zusammen eine geführte Tour. Interessiert begutachten wir den cleveren Terrassenbau und die ausgeklügelte Drainage, die die Inkas auf diesem Felsklotz angelegt haben. Von den gesamten Bauwerken ist nur rund die Hälfte sichtbar, der Rest ist unterirdisch und stützt die Terrassen.





Die aus Steinen ohne Mörtel zusammengefügten Gebäude sind an sich unspektakulär, beeindruckend sind ihre Menge und die atemberaubende Lage über der Schlucht und der 360°-Blick über die Bergzacken. Das Schlafgemach des Inkas verfügte als einziges über ein separates WC. Nur Gebäude für höher stehende Persönlichkeiten oder Tempel bestehen aus den berühmten, passgenau gemeisselten Steinen. Terrassen und minder wichtige Gebäude wurden aus einfachen Trockensteinmauern zusammengebaut.
Machu Picchu diente als Sommerresidenz und als heilige Stätte. Wenn der Inka anwesend war, betrug die Bevölkerung etwa 1000 Menschen, ansonsten vielleicht 600, die das ganze im Schuss hielten und Landwirtschaft betrieben. Wir befinden uns auf etwa 2600 Metern, und hier gedeihen problemlos Kartoffeln, Mais, Quínoa und andere typisch andinische Lebensmittel.









Gekraxel und Nebel
Nach der Tour geht es für uns an den Aufstieg auf den Huayna Picchu, das ist der bekannte Felszahn auf den Postkartenbildern. Es geht über steile Treppen und Felsen gut 300 Höhenmeter hinauf. Wieder stecken wir im Nebel und warten zusammen mit Dutzenden anderen Ungeduldigen darauf, dass die Wolken sich lichten. Es beginnt zu regnen, zum Glück haben wir Regenjacken und Regenschirme. Wir zwängen uns zum Schutz unter einen Felsblock.










Und dann, nach gut zwei Stunden, tun uns die Wolken den Gefallen, sich zu verziehen, und wir haben den vollen Überblick über das Tal und die Zitadelle mit den vielen bunten Regenjacken der Touristen. Wir schiessen unsere Fotos und müssen uns bald an den steilen Abstieg machen. Kurz nach 3 Uhr fährt ja schon unser sündhaft teuren Zug, der uns zurück nach Cusco bringen wird. Beim Blick zurück haben wir endlich das Panorama, das wir uns erhofft haben. Ein paar Viscachas, kaninchenähnliche Nagetiere, schauen dem Treiben ungerührt zu. Seit der Zugang zu Machu Picchu limitiert und in vier streng kontrollierte Rundgänge aufgeteilt wurde, hält sich das Gedränge in Grenzen. Dennoch strömen jeden Tag bis zu 4500 Menschen hierher, und wir stehen für den Bus zurück in die Stadt in einer langen Schlange an.




