Bogotá: laut und vielseitig

Das schönste an Bogotá ist – für mich (Bea) jedenfalls – Monika und Hector wiederzusehen. Kennengelernt habe ich sie bei meinem ersten Kolumbienbesuch 2014, aber eigentlich “verdanke” ich sie Paola und Nicolas. Sie haben die beiden auf ihrer Hochzeitsreise 2009 im Nationalpark El Cocuy (mehr über diesen folgt) aufgegabelt. Sie holen uns vom Flughafen ab und führen uns so gleich in die kulinarischen Feinheiten Kolumbiens ein. Essen ist den beiden nämlich sehr wichtig! Wegen der Sommerferien sind viele Restaurants geschlossen, wir finden aber ein “Hornitos”, eine Kette mit Bäckerei und einigen warmen Gerichten. Hier gibt es Arepas, Tamales und für Schweizer wohl ungewöhnlichsten: flüssige Schokolade mit Käse, in Stückchen geschnitten und in die Schokolade gebröckelt. Edwins Entsetzen ist so gross wie den Hunger! Dazu ein mit sehr mildem Käse gefülltes Brötchen. Sehr gut gesättigt fahren uns die beiden zu unserem Airbnb, das sich als ein sehr praktischer Raum mit Bett, Sofa, Küchenzeile und grossem Fenster entpuppt. Dank dem superschnellen Internet lest ihr endlich etwas von uns…

Am nächsten Morgen geht es früh los. Um auf den Hausberg Bogotás, den Montserrate, zu gelangen, muss man nämlich früh aufstehen. Sportliche beginnen um 6 Uhr, wir schaffen es auf 7 Uhr… (siehe hierzu Edwins FindPenguins-Eintrag). Kaum sind wir aus dem Taxi gestiegen, sind wir von Horden von Bogotensern umringt. Es ist Samstag und offenbar hat sich hat sich die halbe Stadt zu Neujahr vorgenommen, mehr Sport zu machen… So marschieren wir den breiten, grob gepflasterten Weg entlang, zusammen mit Tausenden anderen mehr oder weniger schnaufenden Menschen (kaum Ausländer) rund 500 Höhenmeter in die Höhe, von 2600 m auf 3100 m. Oben in der Kirche ist gerade Gottesdienst, während dutzende kleinere Restaurants Frühstück anbieten, z.B. Suppe, gebratenes Hähnchen, oder Grilladen… Als gute Schweizer haben wir uns natürlich vor dem Aufstieg gestärkt, deshalb laufen wir wieder bergab. Nicht weit entfernt beginnt der alte Stadtteil La Candelaria mit seinen hübschen, bunt bemalten Häusern, gepiercten Einwohnerinnen, Bars und Chicha-Verkäufern. Das Getränk aus Maisstärke erfanden die indigenen Muisca, und produzierten es, indem Frauen Maiskörner kauten. Das startete die Fermentation dieses Maisbiers, das deshalb manchmal auch als “Spuckebier” bezeichnet wird. Es ist in Kolumbien eigentlich seit 1947 verboten, das Verbot wird aber nicht mehr durchgesetzt. Für uns ist jedoch eher Kaffeezeit, Kolumbien hat herrlichen Kaffee!

An diesem Nachmittag besuchen wir noch das Museum Botero, das die Sammlung des bekannten kolumbianischen Malers Fernando Botero zeigt. Das ist der mit den dicken, nackten Frauen… siehe hierzu Edwins FindPenguins-Eintrag.

Am nächsten Tag erkunden wir die ländliche Umgebung Bogotás mit Monika und Hector. 2014 war ich mit ihnen “Auf Bolivars Spuren” zum Trekking unterwegs (siehe NZZ). Auch dazu haben wir einen FindPenguins Eintrag gemacht, der diesen wundervollen Tag sehr schön in Wort und Bild fasst.

Unser Airbnb liegt am Parque de los Hippies im Chapinero Quartier. Vor unserer Haustüre knutschen Schwule und Lesben und nachts trifft sich eine eher raue Gesellschaft. Für uns Mitteleuropäer ist es ungewohnt, sich Gedanken über die persönliche Sicherheit oder über Diebstahl, wenn nicht sogar Überfällen, auf der Strasse machen zu müssen. Das verunsichert, wenn man nicht recht weiss, ob man irgendwo zu Fuß herumlaufen darf oder nicht. Dass man keine “wilden” Taxis nehmen soll. Dass man Bankomaten nicht an der Strasse, sondern in der Vorhalle von Banken benutzen soll. Dass nach Abbruch der Dunkelheit das Risiko deutlich steigt. Dass in jedem Geschäft, jedem Wohnblock, jedem Café, privates Sicherheitspersonal wacht. Hector erzählt, wie sie sich als Jugendliche nur in den Städten und auf den grossen Strassen zwischen den Städten bewegen konnten. Ausflüge in die Umgebung wären viel zu gefährlich gewesen. Für Schweizer, die selbstverständlich jede Kuhweide betreten und jeden Wald durchqueren, ist das extrem fremd. Im Vergleich zu meinem ersten Besuch in Bogotá 2014 empfinde ich die Stadt zwar als sauberer und weniger bedrohlich. Edwin jedoch beschäftigen diese Zustände stark und er ist angespannt.

Der nächste Tag ist ein Montag und ein Feiertag, das ist fantastisch, denn an Sonn- und Feiertagen erobern sich Radfahrer und Fussgänger quasi ihre Stadt zurück. Ciclovia heißt das Phänomen, das es hier schon seit gut 30 Jahren gibt. Von der Polizei und freiwilligen Helfern bewacht, radeln, rollerbladen oder joggen die Bogotenser entlang der gesperrten Boulevards. Etwa 270 km sind es insgesamt, riesige vierspurige Ausfallstraßen sind mehrheitlich dem Langsamverkehr überlassen. Wir mieten Stadtvelos (Bea mit E, Edwin ohne)  und schliessen uns direkt vor unserer Haustür, der sonst viel befahrenen Avenida Carrera 7 (Septima), dem Tross an. Er führt uns zum Parque Bolivar, einem rund einen Quadratkilometer grossen Park mit künstlichem Teich, Radwegen, Hundewiesen, Joggingstrecke und einer Menge fröhlicher Menschen. Siehe dazu auch unseren FindPenguins-Eintrag.

Am darauffolgenden Tag besuchen wir die Salzkathedrale in Zipaquirá (siehe ebenfalls FindPenguins) und nehmen einen Nachtbus nach El Cocuy, wo wir dann unsere Höhentauglichkeit in der östlichen  Andencordillera testen möchten. Davon lest ihr dann im nächsten Blog!

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