Blowing Bubbles in Curacao

Kaum tritt man aus dem Flughafengebäude heraus, trifft einen die feuchte Hitze wie ein Schlag. Der Anflug über Curacao – viel blaues Meer, ein wenig grünlich-braune Vegetation, ein paar Windräder. Schon jetzt sind wir beeindruckt von der Freundlichkeit der Menschen. Denn meine Sitznachbarin, eine Dame in unserem Alter, hat uns freundlicherweise angeboten, uns zu unserer Unterkunft mitzunehmen. Und so sind wir in kürzester Zeit in unserem kleinen Home Away from Home und lernen die reizende Milly kennen. Das kleine Apartment ist entzückend: Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnraum mit Küche und eine sehr gemütliche Terrasse. Wir schaffen noch einen kurzen Spaziergang zum Strand, dann haut uns der Jetlag ins Bett.

Die feuchte Hitze ist für jemanden der aus dem Schweizer Winter kommt, kaum zu ertragen. Wir sind sehr dankbar für die Air Condition. Ausgerechnet wir, die wir ja eigentlich gerne zu Fuss unterwegs sind, schleppen uns gerade mal eine halbe Stunde bis zum nächstgelegenen Strand, den Mambo Beach. Was wir dort antreffen, erinnert uns ein wenig an italienische Bagni. Die schönen Strände sind nämlich alle privat und einfach sein Handtuch auslegen geht gar nicht, man muss eine Liege mieten und eine Eintrittsgebühr bezahlen. Aber das türkisfarbene Wasser ist wirklich schön. Auch den Leguanen gefällts, die sind hier zahlreich und werden auch gerne mal zum Stew verkocht (Edwin hat es probiert und es schmeckt lecker, ein bisschen wie Kaninchen). Weil Weihnachten und vieles geschlossen ist, und wir eh ziemlich ge-jetlagt sind, gehen wir beim Chinesen einkaufen und kochen selber.

Am nächsten Tag wird es ernst: Edwins Tauchkurs beginnt. Ich begebe mich derweil auf ein paar Unterwasser-Erkundungs-Tauchgänge und kann bestätigen, dass das Wasser warm, die Sicht hervorragend und die Fische zahlreich und bunt sind. Ich habe ja in Kanada tauchen gelernt, und kann nicht behaupten, dass ich bei meinem ersten Tauchgang einer Schildkröte begegnet bin. Edwin schon… Tauchen macht müde und deshalb gibt es kein Abendprogramm mehr. 

Zwischen zwei Tauchgängen ist es mir gelungen, einen kleinen Motorroller zu ergattern. Das hier ist eine Autoinsel, aber aufgrund der Weihnachtsferien gibt es auf der ganzen Insel kein Auto mehr zu mieten. Mit dem kleinen 50cc Roller tuckere ich während Edwins Kurs weiter geht, zum sehr netten Kokomo-Strand. Weißer Sand, türkisblaues Meer, zahlreiche Fische und Korallen unter Wasser, was will man mehr. Edwin schließt erfolgreich seinen Open Water Kurs ab und wir feiern in einem lokalen Restaurant mit einer Fischplatte – köstlich. 

Am nächsten Tag kurven wir mit unserem schon leicht angejahrten Roller zum Party Beach schlechthin, Jan Thiel. Hier stehen dicht an dicht die Strandbetten, und abends sollen krasse Partys steigen. Davon bekommen wir nicht so viel mit… Wir hören vor allem amerikanisch und holländisch, während sich am Mambo Beach wenigstens noch ein paar Einheimische unter die Touristen gemischt hatten. 

Bisher ist es uns gelungen, die spektakulären Sonnenuntergänge auf Curacao komplett zu verpassen. Heute Abend wollen wir das auf jeden Fall korrigieren und beschließen, in einem sehr schicken Hotel ganz in der Nähe zu dinieren. Wie gewohnt wird es hektisch, wir schaffen es aber gerade noch an den Strand, bevor die Sonne den Horizont berührt. Wir essen auf einer Terrasse über dem Meer und gönnen uns unsere ersten Blue Curacao Cocktails. Aber die Atmosphäre in der lokalen Strandkneipe hat uns eigentlich besser gefallen.

Ein entzündetes Ohr von Edwin bringt unsere Pläne durcheinander und ich muss ohne ihn auf den Bootstauchgang gehen. Das ist eine ziemlich coole Sache. Wir fahren zum Hafen, bauen unsere Ausrüstung zusammen und verstauen sie in einem Schlauchboot. Acht Taucherinnen und Taucher haben darin Platz. Etwa eine halbe Stunde später erreichen wir Estpunt, das östliche Kap von Curacao. Hier sieht die Karibik unter Wasser genauso aus, wie man sie sich vorstellt: riesige Korallen in allen Formen und Farben, Fischschwärme und immer wieder mal die eine oder andere Moräne, manche davon etwa so dick wie mein durchaus kräftiger Oberschenkel. Mittagessen gibt es an einem idyllischen Strand, danach einen zweiten Tauchgang mit ebenso fantastischer Unterwasserwelt. Was es in Curacao hingegen nicht gibt, sind große pelagische Fische oder Haie. Immerhin begleitet uns ein recht ordentlicher Barracuda ein gutes Stück auf unserem Tauchgang.

Während meines Bootsabenteuers konnte Edwin ein größeres Motorrad abholen. Damit können wir nun endlich auch den Westen der Insel erkunden, der gut 40 km entfernt und ziemlich hügelig ist. Früh morgens, um die Morgenkühle zu nutzen, machen wir uns auf den Weg. Erstes Ziel ist der sogenannte Pistol’s Beach, wo die Wellen tatsächlich durch Löcher im Korallengestein Fontänen in die Höhe sprühen. Der nächste Stopp ist etwas bedrückend, denn in dieser Bucht füttern Fischer die Schildkröten, damit Touristen aus allen Ländern mit diesen wunderbaren Tieren schnorcheln können. Diesen Eingriff ins Ökosystem heißen wir nicht gut, obwohl es unglaublich toll ist, diese eleganten Schwimmer vom Pier aus zu beobachten. Wir fahren weiter von einer Bucht mit Sandstrand zur nächsten. Beim Strand namens Santa Cruz schultern wir unsere Rucksäcke und spazieren rund 40 Minuten zu einer unscheinbaren Felsbucht. Wir folgen verblichenen Markierungen, und nur die Anwesenheit einiger anderer Touristen deutet auf eine besondere Attraktion hin. Wir hüpfen ins Wasser, ich mit Maske und Schnorchel, Edwin wegen seinem Ohr ohne, und trauen unseren Augen nicht: Tatsächlich klafft direkt unter einem Felsüberhang eine Höhle von etwa 10 m Durchmesser, in die man hineintauchen kann. Man findet sich in einer märchenhaften, blau schimmernden Grotte wieder, in die die Wellen hinein und hinaus rollen. Außer uns ist in diesem Moment niemand da. Wir haben den Blauen Raum, wie er genannt wird, für uns alleine. Es ist grandios. 

Vor lauter Sightseeing ist uns entgangen, dass ja heute Silvester ist – der mit Abstand wichtigste Feiertag Curacaos. So schnell wie möglich machen wir uns auf den Weg nach Willemstad. Als wir auf der Partymeile bei den hübschen bunten Häusern ankommen, ist die Party teilweise schon vorbei und nur ein oder zwei Bars haben noch sehr laute Musik und sehr trink- und tanzfreudige Gäste. Da auch die Barbecues geschlossen sind, wandern wir weiter ins Zentrum, wo die Suche nach etwas Essbarem angesichts der wachsenden Menschenmenge, die sich zum Feuerwerk versammelt, schwierig wird. Stichwort: Hangry. Mit Geduld und Geschick gelingt es uns dennoch, einen Tisch zu ergattern, auf dem wir bis Mitternacht ausharren. Dann beginnen mit großem Getute der Lotsenboote die Feuerwerke. Es gibt nämlich nicht nur ein Feuerwerk, nein, auf Curacao muss jede Firma, jedes Restaurant, jede Gesellschaft, Gruppierung, Familie und Jugendbande ein Feuerwerk ablassen. Edwin genießt, Bea leidet. Die Stimmung aber ist lustig, bunt und ausgelassen, wie man das von einem tropischen Silvester erwarten würde.

Nach einem Strand-Erholungstag folgen noch zwei Tauchtage. Sie führen uns am ersten Tag zum Director’s Beach, wo sich einst die Direktoren des hiesigen Shell-Ablegers erholten. Am zweiten fahren wir weit nach Westen zum Cas Abao Strand. Alle Tauchgänge sind schön und abwechslungsreich, auch wenn uns keine besonders erwähnenswerte Fauna begegnet ist. 

Ein Genuss war danach noch das tolle Dinner in einer Art Containerdorf, das aus diversen Restaurants und Bars besteht, und von Barbecue über lokale Gerichte allerlei Leckeres anbietet. Eine fröhliche Mischung von Touristen und Einheimischen und ein authentisches Curacao-Erlebnis zum Abschluss. Oh, und nicht zu vergessen der letzte Lunch mit unserer Gastgeberin Milly, bei dem Edwin das hiesige Iguana-Stew versucht hat.

Wir reisen weiter nach Bogota, wovon dann unser nächster Blog handeln wird. 

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