Das hat uns an Kolumbien gefallen

Schon liegt Quito hinter uns und Kolumbien ist eine Erinnerung. Deshalb kommt hier die grosse Rückschau, was uns an diesem Land besonders gefallen hat. 

  • Die Menschen. Wir haben noch keinen Vergleich, aber die KolumbianerInnen gelten als die höflichsten Südamerikaner – was wir mehr als bestätigen können. Die übliche Abschieds-Formel ist “qué les vaya muy bien!” (dass es euch sehr gut gehe) Früher fügte man noch “y qué dios les bendiga” (und dass Gott euch segne) hinzu, was man heute nicht mehr oft hört. Als brüsker Nordeuropäer muss man sich an der Nase nehmen,und im Laden oder an der Rezeption erst einmal “guten Tag” und “wie geht es Ihnen” zu sagen, bevor man sein Anliegen anbringt. 
Meine lustigen und sympathischen kolumbianischen ReisebgleiterInnen
  • Die Musik. Auch wenn sie für uns meistens (viel) zu laut ist – immer und überall läuft Salsa oder Cumbia (die kolumbianische Variante) mit wunderbaren Rhythmen. Sie macht einfach eine fröhliche Stimmung. Busfahren ohne Musik? Gibt es nicht. Wir lockt man Kunden in einen Laden? Man stellt riesige Lautsprecher auf und lässt Latin-Pop auf die Strasse dröhnen. Sogar der Wanderguide Kevin hatte unterwegs stets Musik auf dem Handy laufen (diesmal aber spanischen Metal). 
  • Die Natur. Kolumbien hat praktisch alles, was es an Ökosystemen so gibt. Bei der letzten Wanderung im tropischen Nebelwald schwirrte mir ein Kolibri um die Ohren. Schmetterlinge wie der riesige, blauschillernde Morphofalter. Im karibischen Meer kann man schnorchelnd tropische Korallenriffe erkunden, im Pazifik migrierende Wale. Es gibt riesige Feuchtgebiete mit Kaimanen und Pelikanen. In den drei Bergketten der Anden (cordilleras) gibt es vom tropischen Regenwald bis zum Gletschervorfeld sämtliche Höhenstufen. Wir haben im Valle Cocora (behauptet jedenfalls der Guide) einen Condor kreisen gesehen. Es gibt Hunderte (wenn nicht Tausende) von Vogelarten.
  • Der Kaffee. Kolumbien ist der weltweit drittgrösste Kaffeeproduzent und der grösste von Fairtrade-Kaffee. Auch wenn die besten Bognen exportiert werden, kriegt man leckeren Kaffee. Auf der Strasse verkaufen fliegende HändlerInnen aus Thermoskannen den “tinto”, schwarzen, süssen Kaffee. 
  • Die tropischen Früchte. Ananas, Mango, Papaya und Bananen so süss und frisch, dass einem die Tränen kommen könnten… 😉 Dazu (für uns) sonderbare Früchte wie Guanabana (Guave), Nispero (Mispel), tomate de arból (Baumtomate) und mehr, deren Namen ich mir nicht merken konnte…
Barrio-Spezialität frozen Mango…
  • Pünktlichkeit. Die Schweizer rühmen sich ja der Pünktlichkeit. Die Kolumbianer stehen dem aber nicht viel nach. Zumindest die Abfahrt von Transportmitteln ist äusserst pünktlich. Ich frage den Fahrer eines Jeeps: habe ich noch 10 Minuten Zeit für einen Kaffee? Er antwortet nach einem Blick auf die Armbanduhr: Nein, 9 Minuten… Was jedoch die Ankunftszeit am Ziel betrifft, lässst sich diese viel weniger voraussagen. Siehe dazu diesen FindPenguins-Eintrag. Und wenn der Airport von Pereira geschlossen ist wegen Gewitterregen, kann die Verspätung 24h betragen… 
  • Alfajores: Das mürbe Gebäck mit dem Inneren aus Arequipa (in Argentinien als dulce de leche bekannt) und einem Rand aus Kokosraspeln ist köstlich! 

Was uns auch noch auffiel:

  • Um 18 Uhr geht die Sonne unter. Immer. Und es ist trotzdem warm. Das Tageslicht ausnützen heisst somit, um 6 Uhr früh aufzustehen. 
  • Scheissthema: Es steht bei jeder Toilette, dass das Papier in den bereitgestellten Abfalleimer gehöre, nicht in die Toilette. Aber für die hygieneverwöhnten Europäer steht in keinem Reiseführer, dass damit auch das GEBRAUCHTE gemeint ist… Wir lernen. Siehe FindPenguins

Was uns weniger gefiel:

  • aus kulinarischen Gründen kommt man nicht nach Kolumbien. Fast alles wird frittiert, vom Poulet über die Arepa (Maisfladen) zur Empanada (gefüllte Teigtasche). Es ist ein fruchtbares Land, in dem praktisch alles das ganze Jahr über wächst, und doch essen die Leute eher wenig Gemüse. Ohne Fleisch (proteina) geht es gar nicht, dazu gibt es Reis UND Kartoffeln UND  Kochbananen. Salat höchstens eine Prise. Vegetarier essen jeden Tag Eier. Was uns am besten geschmeckt hat, war eine Kette namens ”Crepes y Waffles”, die recht günstig eine Art Fusion von traditionellen Gerichten mit Crepes anbietet. Die übrigen kulinarischen Highlights waren in westlich ausgerichteten Restaurants und Cafés, z.B. Pancakes mit Früchten und endlich mal wieder ein Cappuccino. → Der perro caliente (hot dog), den wir in einem Fastfood-Lokal bekamen, war das übelste. 
  • Der Lärm. Auf den Strassen findet das Leben statt. Was 2 oder 4 Räder hat, röhrt und dröhnt vorbei. Wer kann, hört lautstark Musik. Ein fettes Soundsystem im Auto oder im Laden ist Standard. Niemand scheint sich daran zu stören. Für uns ist es eher anstrengend.
Hier muss man sich dröhnende Musik dazu denken…
  • Die Kälte. In den Tropen wird es nachts in den Bergen sehr kalt, auch wenn man tagsüber im T-Shirt herumlaufen kann. Sobald die Sonne sinkt (oder im Schatten) tauchen die Temperaturen. Mit der Feuchtigkeit fühlt es sich noch kälter an. Dafür ist es auf 2000m sehr angenehm.
Frostiger Morgen im El Cocuy NP

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