Höhentraining im Los Nevados Park

Von Medellin bringt uns ein Nachtbus nach Salento, dem Ausgangspunkt für diesen Nationalpark. Der Bus ist brandneu, der Monitor ist sogar noch mit Plastikfolie überzogen. Den Fahrern macht das Fahren ganz offensichtlich grossen Spass. Sie geben tüchtig Gas, wir werden durchgerüttelt und sind statt wie veranschlagt um 5 Uhr morgens schon um 3.15 in Salento. Ein halbes Dutzend anderer Reisender, Kolumbianer und Ausländer, stecken wie wir ohne Unterkunft fest. Man schickt uns zum Kirchplatz, der wie in jedem Dorf das Herz ist. Im dortigen Park breiten wir unsere Schlafsäcke auf Bänken aus und schlafen wie die Hobos im Freien.

Um 6 Uhr erwacht das Dorf, der kleine Laden mit dem “tinto”, dem süssen, schwarzen Kaffee, öffnet. Wir packen leicht verschämt unsere Sachen wieder ein und wir schauen uns nach einem Frühstück um. Es gibt Waffeln und Croissants – dank der vielen Traveller, die hier für das hübsche Dorf und das pittoreske Valle Cocora mit den Wachspalmen kommen – den höchsten Palmen der Welt. Wilde Kolibris und kleine, grüne Papageien tummeln sich in den tropischen Bäumen. Auch wir streifen durch die Gassen mit den bunt bemalten Häusern, den Handwerksläden und vielen Restaurants. Zum Dinner gibt es Forellenburger, da Forelle hier eine Spezialität ist.

Es gelingt uns, unseren Trip in den Nationalpark ohne den vorgeschriebenen guia zu organisieren. Wir möchten lieber alleine laufen, und die Wege sind alle in Open Steetmap verzeichnet. Ausserdem sind es ausgetretene Routen für Pferde und Maultiere, mit denen die Fincas (Bauernhöfe) weiter oben versorgt werden. Bis Cocora geht es in einem der hier typischen Willys Jeeps, der laut Fahrer schon 75-jährig ist. Dann laufen wir los, erst durch feuchten, dann immer trockeneren Tropenwald. Ab 3000m ist der Wald dann nur noch spärlich und die Sonne knallt auf uns herab. Das Ironische: Aus Angst vor dem Frieren habem wir sämtliche warmen Kleider eingepackt und schleppen sie nun den Berg hinauf…  Fast sind wir froh um die Wolken, die uns im letzten Teil einholen. In Finca Agentina auf 3400m ist es dann bereits am Nachmittag sehr kühl. Wir halten Siesta und schauen Bauernhof-TV: Hunde spielen mit Maultieren, Hühner gackern, zwei kleine und ein grosses Schwein betteln, viele Katzen streichen uns um die Beine. Abends sind wir dann von Franzosen umringt, was uns sprachlich total durcheinander bringt, und spielen UNO.

Am nächsten Morgen ziehen wir früh los, weil wir zum Paramillo de Quindia wollen, einem uralten Krater. Mühsam arbeiten wir uns auf 4200m vor, Schritt für Schritt. Es ist in voller Sonne trotz der Höhe sehr heiss. Wir habem geniale Ausblicke auf den Navado del Tolima-Vulkan und dann auch den Paramillo mit seinen genialen gelb-beige-roten Farbschichten. Nach fast acht Stunden erreichen wir die Luftlinie nur wenige Kilometer entfernte Finca la Playa (die keinen Strand hat…). Patricia, Teo und die Töchter Natalia und Isabel empfangen uns herzlich. Bergsteiger gehen hier ein und aus, die einen auf dem Weg nach oben, die anderen nach unten. Edwin findet es natürlich schade, akklimatisiert zu sein und nicht auf diesen formschönen Vulkan mit Gletscherkappe zu steigen. Und tatsächlich ist Teos Sohn Bergführer und hat Ausrüstung zu vermieten. 

Am nächsten Morgen nehmen wir es somit gemütlich, streichen das urspüngliche Ziel (Thermalquellen, aber 6 h Fussmarsch entfernt), und wandern nur 1.5 h zu einer Lagune. Während des Tages wechselt das Wetter, Wolken ziehen auf und es fallen ein paar Regentropfen. Es wird nun spannend: kann Edwin den Gipfel erklimmen, der in den letzten zwei wunderschönen Tagen vor deiner Nase gaukelte…? Fortsetzung folgt…

Beas Abenteuer

Pünktlich zum Sonnenaufgang wache ich auf und schaue zum mysteriös von Wolken bekränzten Tolima hinüber. Dort zuoberst ist Edwin jetzt! Ich aber packe meine Sachen und marschiere mit vier KolumbianerInnen und ihrem Guide Richtung Tal. So viel Gegenanstieg hätte ich nicht erwartet! Meine BegleiterInnen sind eine muntere Truppe im Alter von 24 bis 38, der guia Kevin hört ununterbrochen spanischen Hardrock. Der Weg führt durch tolle Fraylejón-Steppen bis in herrliche tropische Wälder. Ein Kolibri schwirrt mir während einer Pause um den Kopf und setzt sich dann ins Geäst, um gleich schon wieder weiterzuhuschen. Der letzte Anstieg zu den Aussichtspunkten auf das idyllische Cocora-Tal mit seinen Wachspalmen ist der härteste. Aber die bis 50 m hohen Palmen, Nationalbaum Kolumbiens, sind die Mühe Wert…

Edwins Abenteuer, die ihn in Gesellschaft eines Hundes auf über 5000m führen, könnt ihr auf FindPenguins nachlesen.

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