Die Anden sind ja bekanntlich sehr hoch. Ebenso bekannt ist, dass Edwin gern auf Berge steigt. Das Ergebnis ist, dass uns unsere Reise – abgesehen von einem kleinen Abstecher in die Karibik, (siehe bereits veröffentlichten Blog Santa Marta und Tayrona) – sehr häufig in frostige Höhen führt. Per Nachtbus fahren wir von Bogotá nach El Cocuy, ein kleines Dorf mit Menschen in Ponchos und Cowboyhüten auf den Strassen, nicht viel mehr als ein Hauptplatz mit Kirche und vier Strassenblocks in jede Richtung.



Hier organisieren wir Carol, eine 27-jährige, die hier ihre Wurzeln hat, aber in Bogotá aufwuchs, als unsere (obligatorische) guia de montaña. Eine Fahrt im Jeep auf 3700 m für eine kurze Akklimatisation eröffnet das Programm. Die Frau des Fahrers kommt mit der halbjährigen Tochter auch noch mit, auch für sie ein Ausflug vom pueblo. Wir begegnen den ersten Fraylejones, den typischen schopfförmigen Astern, die typisch für das hiesige Páramo-Ökosystem sind. Über uns kreisen Geier. Wir hoffen, dass das kein schlechtes Zeichen ist.


Nach einer unruhigen Nacht in einem abgewrackten Hotel geht es um 5 Uhr morgens los. Wir rumpeln auf unbefestigter Strasse über eine Bergkette zum Parkeingang. Fahrten mit einem 4×4 sind teuer. Die Hälfte der Kosten macht der Transport aus, die andere enthält Salär der guia, Übernachtung, Essen und Eintritt in den Nationalpark, sowie die stets obligatorische Rettungsversicherung (mittels Pferden) aus.
Auf 3600 Metern marschieren wir los. Fraylejones säumen unseren Weg, in der Ferne sieht man schon die ersten – Verzeihung, die letzten – Gletscher der Sierra Nevada del Cocuy. Sie schmelzen rapide. Der Zugang zum Park ist eingeschränkt, gerade mal drei Routen sind geöffnet. Die Gipfel zu besteigen oder nur den Schnee zu betreten, ist verboten, wegen spiritueller Einwände der Indigenen, gemäss manchen Einheimischen jedoch möglicherweise auch wegen der Bodenschätze in der Umgebung.




Gemütlich und mit zahlreichen Pausen, um wieder Luft zu schnappen, wandern wir nach oben. Das Wetter ist herrlich, die Temperatur angenehm, unsere Mitwanderinnen und Mitwanderer sind überwiegend Kolumbianer, was wir recht cool finden. Cheveré! Nach der Woche in Bogotá auf 2600 m sind wir ganz ordentlich akklimatisiert und erreichen den Gletscher auf 4700m nach gut 5 Stunden und ohne Höhenprobleme. Carol ist eine entspannte Führerin, die munter plaudert und sich neugierig nach unseren Erlebnissen erkundigt.



Überhaupt sind etwa zwei Drittel der Guides hier Frauen, was uns überrascht. Gemäss Carol liegt das zum einen daran, dass Frauen sich mehr für Natur und Umwelt interessieren, und zum anderen an der feministischen Revolution. Der Abstieg zieht sich dann noch in die Länge, und insgesamt sind wir neuneinhalb Stunden unterwegs. Müde, aber zufrieden mit dem Tag legen wir uns in Carols sehr einfachen Hostel im ländlichen Hinterland zur Ruhe.
Ostereier suchen, jeden Tag
Die Hühner von Carol sind echte Freilandhennen. Einen Hühnerstall gibt es nicht. Sie übernachten auf den Bäumen und legen ihre Eier irgendwo unter einen Busch, am Fusse des Baums. Somit sucht Carol jeden Tag an verschiedenen Orten nach ihrem Frühstück. Und die huevos revueltos (Rührei) sind richtig gut!
Den Nachmittag verbringen wir dann im Nachbardorf Guican, das ebenso hübsch, klein und geruhsam ist. Von einer coolen Terrasse aus überblicken wir bei einem kühlen Bier den zentralen Park und das Strassenleben. Motorrad fahren mit Motorsäge fand Edwin besonders lustig – siehe FindPenguins.
Noch sind wir entspannt und wissen nicht, dass wir morgen statt 7 für 10 Stunden im Bus sitzen werden… Villa de Leyva ist das Ziel, ein fast vollständig erhaltenes koloniales Städtchen, siehe FindPenguins.


