Die Slums von Medellin

Cartagena war unglaublich heiss, sodass wir nicht sehr viel unternommen haben. Flanieren durch die Gassen der Altstadt mit den kolonialen Bauten – manche klein und eng, wo früher die Handwerker lebten, andere feudal-luxuriös, wo heute zahlungskräftige Touristen hausen. Fast alle sind restauriert und viele mit prächtigen Graffiti/Wandmalereien verziert. Den Sonnenuntergang auf der alten Stadtmauer lassen wir uns natürlich nicht entgehen 😃. Die Aussicht: die riesigen Wolkenkratzer der Halbinsel Bocadero, die zumeist illegal erbaut wurden und Ferienwohnungen für reiche Kolumbianer enthalten. Am grossen Strand – ähnlich wie in Rimini – verbringen die Kolumbianer ihr Weekend. Der Rest der Grossstadt sei nicht sicher, heisst es, und für Touristen gibt es weiter wenig zu sehen. 

Wir fliegen mit einer Airline namens Clic nach Medellin. Vorteil: die Propellermaschine kann im City Flughafen landen und wir haben es nicht weit zur Unterkunft. Das Airbnb-Apartment liegt über einer Taqueria mit feinen Tacos, was aber auch schon das beste an ihr ist. Sie ist tagsüber zu heiss und nachts zu laut. Einzig die Lage ist perfekt, sogar ein Morgenjogging zu einem Sportplatz ist gut machbar.

Was tun in Medellin, der einst gefährlichsten Stadt der Welt? Man besichtigt die Comuna 13, jenes Quartier, das der Stadt diesen Ruf bescherte und einst die höchste Mordrate der Welt aufwies. Wie uns unser hier aufgewachsener Führer erzählt, hatten die Guerillas und die Narcos die Slums fest im Griff. Wo die Stadt-/Landesregierung sie ignorierte, verschafften die Gangster den Bewohnern (die meisten ironischerweise von der Guerilla vom Land Vertriebene) ein Minimum an Infrastruktur wie (abgezapften) Strom, Wasser und medizinische Versorgung. Die Wende kam nach einem sehr umstrittenen Angriff des kolumbianischen Militärs, als mutmasslich fast alle Guerrilleros bereits abgezogen waren und stattdessen Frauen und Kinder als “Guerrilleros” getötet wurden.

Seit den 2000er Jahren sind dieser und andere Slums befriedet und zu Wohnquartieren mutiert. Seilbahnen und in Comuna 13 sogar Rolltreppen erschliessen die hohen Lagen der einst illegalen Siedlungen. Der Tourismus schwemmt zusätzliche Pesos herein. Was uns an unserer “Skippy-Tour” gefiel: die elf Führer sind alle hier geboren, sie arbeiten ehrenamtlich und spendenbasiert. Weit bekommen ein paar Demos von hiesigen Künstlern, siehe FindPenguins.

Downtown Medellin haben wir dann nur im Eiltempo durchlaufen, die Einkaufsmeile ist voll und laut. Aber die “pájaros” von Botero, von denen einer von einer Autobombe zerfetzt wurde und Botero einen zweiten danebenstellte als Zeichen, dass die Kunst stärker ist als Gewalt, mussten wir sehen. Auch weitere der dicken Figuren stehen herum und sind beliebtes Fotosujet.

Vor der Weiterfahrt nach Salento besuchten wir eine Mall mit Decathlon, einer beliebten Sport- und Outdoormarke. Aber die Preise in der Mall sind die gleichen wie bei uns, was die bei uns günstige Decathlon-Ware zum Luxusartikel macht.

Super italienisches Gelato und Dinner gab es im Quartier El Poblado, wo die wohlhabenden Medelliner wohnen und sich alle mit genug Pesos ins Nachtleben stürzen.

Unser Nachtleben besteht aber aus einem Nachtbus, der uns um drei Uhr in der Nacht absetzt, sodass wir auf Parkbänken schlafen… Mehr im nächsten Blog!

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