Baños! Auf “nur” 1600m gelegen, erhoffen wir uns (vor allem Bea, die das Gipfelfieber verlassen hat) etwas mehr Wärme als auf fast 3000m. Leider weit gefehlt. Es regnet jeden Tag, bei kühlen 16° C, und die Sonne sehen wir nur gelegentlich durch Nebelschwaden. Schuld soll der “Winter” oder das El Niño-Phänomen sein, je nachdem, wen man fragt.




Schäumender Karneval
Das Städtchen ist voll mit ecuadorianischen Touristen im Karnevalfieber, die Hotelpreise haben sich verdoppelt. Alt und jung bewirft sich gegenseitig mit Wasser, aus Eimern oder Wasserballons, oder mit Wasser- und Schaumpistolen. Ein offenes Autofenster ist ebenso eine Einladung zum Einschäumen wie ein lachendes Gesicht. Jugendliche und kleine Jungs sind im Himmel, Erwachsene erinnern sich an früher und lachen mit. Und wir kriegen auch etwas Schaum und Wasser ab.
Am Dienstagabend drehen sie noch einmal voll auf, was wir nur akustisch mitbekommen, wir haben uns ins Hostel verzogen. Am Aschermittwoch ist der Spuk vorbei. Die Gläubigen laufen mit schwarzen Kreuzen aus Russ auf der Stirn herum.
Viel Wasser überall…
Wir geniessen die touristische Infrastruktur, die gute Cafes, leckeren Kuchen und viele Optionen für Ausflüge anbietet. Zum Beispiel eine Velotour entlang des Pastaza-Canyons (leider teilweise an der Hauptstrasse) zu den diversen Wasserfällen des Canyons. Auch hier gibt es viel Infrastruktur, und man kann sich an Tyroliennes, auf Velos, die über Seile gezogen werden, oder per Seilbahn über die Schlucht stürzen oder fahren lassen. Die eine Seilbahn wird von einem bald antiken Ford V8-Motor angetrieben, Edwin zieht angesichts des Röhre den Getriebes skeptisch die nasse Augenbraue hoch.
Weil es fast durchgehend regnet, lassen wir das meiste aus, aber den Teufels-Eimer (pailón del diablo) wollen wir sehen. Zum Glück! Der Regen hat den Wasserfall anschwellen lassen. Er stürzt in eine runde, beckenartige Schlucht, für die Hexenkessel ein gutes Wort ist. Wir klettern über Stufen und durch eine gesicherte Felsspalte, bis wir hinter den tosenden Vorhang schlüpfen können. Eindrücklich! Ein Lastwagen steht bereit, um die wenigen regenfesten Velofahrer nach Baños zurückzubringen. Da es 20 km bergauf geht, nutzen wir das gern.





Während Edwin den Chimborazo in Angriff nimmt, geniesst Bea das geruhsame Leben in Baños. Im Markt kann man an einfachen Ständen feine und günstige Hausmannskost probieren. Und natürlich muss man die Thermen besuchen, die dem Ort den Namen geben. Der noch aktive Vulkan Tungurahua gleich nebenan (immer in Wolken gehüllt) wärmt den Untergrund und das Thermalwasser. Es gibt mehrere Bäder, ein grosses Spassbad und ein kleines, beschaulicheres, das wir vorzogen. In Bassins mit unterschiedlich warmem Wasser – das wärmste vielleicht 40°C – lässt es sich super entspannen, abkühlen und aufwärmen, während Regentropfen auf den Kopf trommeln. Man kann sogar in den Bach steigen und sich vom Wasserfall massieren lassen. Wenn nicht zu viel Regenwasser Steine mitreisst und das zu gefährlich wird.
Nach ein paar Tagen ist Bea schon bei einigen Einheimischen bekannt. “Du hast doch gestern im Markt Llapingacho gegessen und dir bei meiner Freundin die Nägel machen lassen”, ruft mir eine Frau von einem Essensstand am Markt zu. Und beim Schokolade trinken sehe ich einen freundlichen Herrn wieder, der mir in der Bibliothek lokale Tipps gegeben hat. Auch Edwin ist, als er allein im Thermalbad war, mit einem netten Herrn ins Gespräch gekommen und sie sind zusammen im Taxi zurück in den Ort gefahren.

Ein schöner Berg – weggepustet
Der Chimborazo (6263 m) beeindruckt mit einer majestätischen Schneekappe inmitten einer weiten Wüstenlandschaft. Die Farben von Sand und Felsen sind unglaublich, und aus der Distanz grüssen zwei Vicuñas. Mit dem Auto fahren Edwin und Bergführer Patricio über rumpelige Pisten bis zum Refugio Carrel auf 4800 m und 1,5 h zu Fuss zum Campo Alto auf 5300 m. Beim Znacht sind wir zwar in den Wolken, aber die Gipfelbesteigung scheint realistisch. Leider nicht mehr um 01:00, wenn wir losmarschieren wollen. Der Wind reisst mit 65 km/h an der Zeltwand. Er verstärkt bestehenden Steinschlag auf dem Normalweg und würde uns auf der Alternativroute vom Grat fegen. Auch nach ein paar Stunden Warten ändert sich nichts und die Bergführer brechen ab. Um 06:00 ist es im Camp windstill, das ist bitter. Aber der Gipfel ist immer noch von Sturm umtost. Das Risiko eines weiteren teuren Tages und der Wetterkapriolen sind mir zu gross und auch der Bergführer kann nicht verschieben. Trotz der tollen Landschaft bin ich enttäuscht, den Gipfel verpasst zu haben.



Meersäuli vom Grill
Am letzten Tag ist Samstag und Baños ist wieder gut besucht. Am Markt gibt es heute Cuy vom Grill – Meerschweinchen. Das typische Gericht der Andenländer (v.a. Peru) müssen wir probieren, obwohl die auf Spiesse aufgespannten Tiere mit den aufgesperrten Mäulern ziemlich seltsam anmuten. Aber nebenan in der Markthalle stehen ja auch die Köpfe der Spanferkel hübsch dekoriert herum … Es schmeckt überraschend gut, das Fleisch ist etwas fettig und erinnert an Schwein mit etwas Huhn dabei. Wir ziehen aber trotzdem Pollo vor, da ist mehr dran…

Wir haben noch 1 Woche bis Galapagos! Aber vorher geht’s an Kraterseen und an den “richtigen” Äquator, mehr davon im nächsten Blog.
